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»Ein Digitaler Zwilling ist erst dann erfolgreich, wenn ihn alle Menschen nutzen können.«

Geodaten bilden die Grundlage vieler Verwaltungsprozesse. Mit dem Digitalen Zwilling Sachsen entstehen daraus zunehmend realitätsnahe, dreidimensionale Abbilder unserer Umwelt. Doch wie gelingt es, diese komplexen Informationen auch Menschen ohne Geo-Fachwissen zugänglich zu machen? Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz dabei? Darüber spricht GeoSN-Präsident Ronny Zienert im Interview.

Rollstuhlfahrer navigiert mit Handy
© Tonton1541/Adobe Stock

Herr Zienert, Geodaten und Digitale Zwillinge gelten häufig als Werkzeuge für Expertinnen und Experten. Warum rückt das Thema Barrierefreiheit heute so stark in den Fokus?
Digitale Zwillinge entfalten ihren größten Mehrwert erst dann, wenn möglichst viele Menschen die darin enthaltenen Informationen verstehen und nutzen können. Die Technologie entwickelt sich zunehmend von einer Fachanwendung hin zu einer Plattform für Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft. Deshalb müssen wir den Zugang einfacher gestalten. Unser Ziel ist es, Geodaten so bereitzustellen, dass sie auch ohne tiefes Fachwissen intuitiv nutzbar werden. Barrierearm bedeutet dabei nicht nur technische Zugänglichkeit, sondern auch eine verständliche Aufbereitung komplexer Informationen.

Welche Rolle übernimmt Künstliche Intelligenz auf diesem Weg?
KI kann eine Brücke zwischen komplexen Geodaten und den konkreten Informationsbedürfnissen der Nutzerinnen und Nutzer schlagen. Sie unterstützt dabei, große Datenmengen auszuwerten, relevante Informationen zusammenzuführen und verständlich bereitzustellen. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten, den Digitalen Zwilling intuitiver zu nutzen und individuelle Fragestellungen zu beantworten, ohne dass Anwenderinnen und Anwender selbst Experten für Geodaten sein müssen.

Sie arbeiten gemeinsam mit dem Sozialverband VdK Sachsen an konkreten Anwendungsfällen. Warum war gerade diese Zusammenarbeit wichtig?
Wir wollten den Digitalen Zwilling konsequent aus der Perspektive der Nutzerinnen und Nutzer weiterentwickeln. Der Austausch mit dem VdK eröffnet uns einen wertvollen Blick auf die Anforderungen von Menschen mit Mobilitätseinschränkungen. Ein weiterer Partner ist die con terra GmbH mit dem Knowhow für Geo-IT und KI. Daraus entstehen praxisnahe Use Cases, die zeigen, welchen konkreten Nutzen Geodaten im Alltag stiften können. Genau diese Perspektive hilft uns, den Digitalen Zwilling noch bürgernäher zu gestalten.

Können Sie ein Beispiel nennen, wie Bürgerinnen und Bürger künftig davon profitieren könnten?
Ein denkbarer Anwendungsfall ist die Planung eines Ausflugs oder eines Behördenbesuchs. Menschen möchten bereits vorab wissen, ob ein Ort für sie gut erreichbar ist, ob Treppen oder Kopfsteinpflaster möglicherweise hinderlich sind oder ob barrierefreie Parkplätze und Sanitäranlagen zur Verfügung stehen. Heute sind diese Informationen häufig über viele Quellen verteilt oder nicht aktuell. Der Digitale Zwilling könnte solche Informationen künftig zentral bündeln und mithilfe von KI auswerten und verständlich bereitstellen. Das schafft mehr Planungssicherheit und erleichtert die gesellschaftliche Teilhabe.

Welche Perspektiven sehen Sie für den Digitalen Zwilling Sachsen in den kommenden Jahren?
Der Digitale Zwilling wird sich immer stärker zu einer gemeinsamen Informationsplattform entwickeln, auf der Geobasisdaten, Fachdaten und intelligente Auswertungen zusammengeführt werden. KI wird dabei helfen, diese Daten zielgruppengerecht aufzubereiten und neue Anwendungen zu ermöglichen. Gleichzeitig kann der Digitale Zwilling Verwaltungshandeln transparenter machen und Kommunen dabei unterstützen, Handlungsbedarfe – beispielsweise beim Abbau von Barrieren – frühzeitig zu erkennen. Damit wird aus einer technischen Infrastruktur ein Instrument für mehr Teilhabe und eine moderne, bürgerorientierte Verwaltung.

Digitale Zwillinge als Schlüssel für mehr Teilhabe
Unsere aktuellen Entwicklungen zeigen deutlich, dass der Mehrwert eines Digitalen Zwillings weit über die Visualisierung von Geodaten hinausgeht. Erst durch die intelligente Verknüpfung von 3D-Geodaten, offenen Datenquellen und Künstlicher Intelligenz entstehen Anwendungen, die Bürgerinnen und Bürger im Alltag unterstützen und Verwaltung transparenter gestalten. Der barrierearme Zugang zu Geodaten wird damit zu einem wichtigen Baustein einer modernen digitalen Infrastruktur – mit dem Ziel, Informationen verständlich, nutzbar und für möglichst alle Menschen zugänglich zu machen.

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